Die konventionelle Medizin arbeitet überwiegend mit Medikamenten, um akute oder chronische Zustände zu behandeln. In der Naturheilkunde und komplementären Medizin kommen mit Ernährung, Stressreduktion, Sport, Hydrotherapie oder Nahrungsergänzungsmitteln verschiedene Therapieoptionen zur Anwendung. Besonders Nahrungsergänzungsmitteln wird eine immer größere Bedeutung zugesprochen, weil sie zielgerichtet in den Stoffwechsel eingreifen und ihn positiv regulieren können. Manchmal kommt es zur Streitfrage: Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel? Was ist „besser“? Wo liegen die therapeutischen Unterschiede? Eine Gegenüberstellung.

 

Medikamente – Eine kleine Geschichte

Die konventionelle Medizin wird auch „evidenzbasierte Medizin“ genannt. Unter „evidenzbasiert“ wird verstanden, dass ein Medikament bei einem Patienten zur Anwendung kommt, wenn es in der Klinik erprobt ist und wissenschaftliche Studien eine klare Wirksamkeit beweisen.

Die konventionelle Medizin nahm im 19. Jahrhundert Fahrt auf und grenzte sich deutlich von den verschiedenen alternativmedizinischen Richtungen ab. Was gut ist, denn es gab bis spät ins 19. Jahrhundert zwielichtige und fragwürdige Medizinrichtungen, die rein auf Verkaufsgeschick und Behauptungen aufbauten. Die Bezeichnung „Quacksalber“ kommt nicht von ungefähr.

Die konventionelle Medizin wollte sich klar abgrenzen und zum Wohle des Patienten nur Anwendungen versprechen, die auf Fakten und klaren Studienergebnissen beruhten.

Dies begünstigte die Entwicklung einer neuen Industrie, der Pharmaindustrie. Diese Industrie ertüftelt, erforscht und belegt die Wirksamkeit neuer Medikamente. Die Pharmaindustrie ist heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Deutschland.

Leider macht es die Art der evidenzbasierten Medizin, für jede Intervention große Studien zu fordern, schwer für Natur- und Komplementärmedizin, sich zu behaupten.

Denn nicht immer sind komplexe, klinische Studien durchführbar – sei es, weil sie zu teuer sind. Oder, weil aufgrund einer komplexen Intervention wie einer Ernährungstherapie nicht immer eine eindeutige, molekulare Ursache-Wirkungsbeziehung wie bei Medikamenten möglich ist.

Ein Medikament kann naturidentisch sein, muss es aber nicht. Viele Medikamente sind rein synthetisch und durch jahrelange Forschung entstanden. Es gibt aber auch viele Medikamente, die in der Natur vorkommen: Das Statin Lovastatin (Cholesterinsenker) etwa kommt in einigen Pilzen wie dem Mandelpilz oder Reishi vor – jedoch nur in geringen Mengen.

Bei körperfremden, aber naturidentischen Stoffen ist nicht immer klar, wann es sich um ein Medikament oder Nahrungsergänzungsmittel handelt. Dann entscheiden Kommissionen.

 

Nahrungsergänzungsmittel – Eine kleine Geschichte

Nahrungsergänzungsmittel nimmt der Mensch seit vielen Tausenden von Jahren ein; bereits in der Steinzeit bereiteten Menschen aus Kräutern, Pilzen, Baumrinden oder tierischen Bestandteilen Extrakte und Tinkturen her, um bestimmte Zustände zu erreichen oder Krankheiten zu behandeln.

Durch die Sesshaftwerdung geriet viel von diesem Wissen in Vergessenheit. Es war fortan Sache der Klöster, Medizinmänner oder „Kräuterfräulein“, Nahrungsergänzungsmittel herzustellen. Doch auch Quacksalber und Schlangenöl-Verkäufer traten auf den Plan und es entstanden immer mehr fragwürdige Formen von Nahrungsergänzungsmitteln.

Per Definition sollen Nahrungsergänzungen eine Ernährung ergänzen – sei es, weil ein bestimmter Stoff in der Ernährung fehlt oder, um durch ein Extrakt eine bestimmte Wirkung im Körper hervorzurufen.

Aktuell ist in der Wissenschaft zu beobachten, dass immer mehr wissenschaftliche Studien über Nahrungsergänzungen durchgeführt werden. Dabei wird mit Nährstoffen oder Extrakten am häufigsten gearbeitet. Zwar haben diese Studien selten die Ausmaße einer aufwendigen und langjährigen pharmazeutischen Studie; doch eine statistische Signifikanz sowie Goldstandard (Placebo-Doppelblind-Studie) ist möglich.

 

Was macht eine gute Studie aus?

Hochwertige Studien sind mit Nahrungsergänzungsmitteln und mit Medikamenten möglich. Der Goldstandard ist und bleibt Placebo-Doppelblind. Auch mit „nur“ 100-1000 Versuchsteilnehmern lässt sich mit Nahrungsergänzungsmitteln eine hochwertige Studie durchführen, wenn sie finanziert werden kann.

Eine gute Studie ist an folgenden Gesichtspunkten zu erkennen:

  • Placebo-kontrolliert (Wirkstoff und Placebo in jeweils einer Gruppe)
  • Doppelverblindung (Arzt und Patient wissen nicht, wer Placebo erhält und wer den Wirkstoff)
  • Je mehr Teilnehmer, desto besser
  • Statistische Signifikanz (steigt mit der Teilnehmerzahl)
  • Untersuchung mehrerer Marker/Testwerte
  • Im Optimalfall: unabhängige Studie, d.h. nicht vom Hersteller des Präparates finanziert
  • Je aktueller die Studie, desto besser

Es wird klar, dass auch Nahrungsergänzungsmittel gute Studienergebnisse erzielen können und somit auch in der konventionellen Medizin eine immer stärkere Rolle einnehmen.

Dennoch sollten Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel noch einmal gegenübergestellt werden, um sie deutlicher abgrenzen zu können. Dies erleichtert Arzt und Patient die Entscheidung, ob bei einem bestimmten Szenario nun Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel (oder beides) die beste Lösung sind.

 

Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel? Eine Gegenüberstellung

Im Anschluss finden Sie eine Gegenüberstellung. Dies soll die Antwort auf die Frage „Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel“ erleichtern.

Medikamente Nahrungsergänzungsmittel
Anwendung bei akuten Zuständen (Chirurgie, Infektion, Trauma, Krebs, Schmerzen Anwendung bei chronischen Zuständen
Meist isolierte Stoffe Meist Extrakte bzw. mehrere Stoffe
Nebenwirkungen häufig Nebenwirkungen selten und nur in hoher Dosierung
Je komplexer, desto teurer Selten teurer als 100 €
Nutzen selten Synergismen (1+1=3) Synergismen können genutzt werden
Wirken isoliert, seltener in Kombination Wirken häufig nur in Komplexen/Extrakten mit vielen einzelnen Stoffen
Häufig synthetische Stoffe Immer Naturstoffe
Evidenz durch komplexe, kostspielige Studien Evidenz durch kleinere Studien und klinische Erfahrung
Meist an den Symptomen orientiert Meist an den Ursachen der Erkrankung orientiert
Ernährung spielt nur selten eine Rolle „Kein Ersatz für eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung“

Bitte beachten Sie, dass die konventionelle Medizin in vielerlei Hinsicht ihre Daseinsberechtigung hat. Besonders bei akuten Zuständen rettet sie jeden Tag Leben. Doch nicht immer ist sie die alleinige Lösungsmöglichkeit – besonders bei chronischen Erkrankungen kommen Medikamente immer häufiger an ihre Grenzen. Neben einer Umstellung der Lebensführung werden Nahrungsergänzungsmittel hier wichtig.

Es gibt keine pauschale Antwort darauf, ob Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel besser sind.

In vielen Situationen ist es fahrlässig, nicht mit Medikamenten zu arbeiten.

Doch in vielen Situationen ist es auch fahrlässig, ausschließlich auf Medikamente zu setzen.

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